Kyudo Hildesheim





Philosophische Aspekte

Die Veröffentlichung des Philosophen Eugen Herrigel unter dem Titel Zen in der Kunst des Bogenschießens (1948) hat viel dazu beigetragen, Kyudo als eine Zen-Kunst zu betrachten und mit einer religiösen Tätigkeit gleichzusetzen. Hierbei hat es jedoch Mißverständnisse gegeben.

Im 17. und 18. Jahrhundert bekam die Kyūdōpraxis eine philosophische Tendenz: Sprüche wie „ein Schuss – ein Leben“ oder „Schießen soll sein wie fließendes Wasser“ wurden mit der Lehre des Kyūdō in Zusammenhang gebracht. Hier trennten sich die Auffassungen der unterschiedlichen Schulen. Teilweise wurde der Treffer als nachgeordnet betrachtet und behauptet, allein die richtige geistige Einstellung reiche beim Schießen aus.

Im Kyudo soll im vollen Auszug und bei der Schussabgabe Munenmuso oder Mushin (übersetzbar als „leerer Geist“) erreicht werden. Dieser entspricht jedoch nicht einer allgemeinen ziellosen Gleichgültigkeit, sondern beschreibt eher den Zustand einer so hoch verdichteten Konzentration, dass für andere Gedanken kein Platz ist.

Hideharu Onuma, 9. Dan/Hanshi, († 1990), hat drei Qualitäten des Treffens unterschieden:

  1. Toteki: Pfeil trifft das Ziel
  2. Kanteki: Pfeil durchbohrt das Ziel
  3. Zaiteki: Pfeil existiert im Ziel.

Für die erste Qualität reicht eine gute Technik und Bewegungsform aus. In der zweiten ist eine zielgerichtete Dynamik erforderlich. In der dritten steht vor dem Lösen bereits fest, dass der Pfeil trifft. Diese Qualität kann nur erreicht werden, wenn Körper, Geist und Technik zu einer Einheit verschmelzen.

Der japanische Dachverband (ANKF) benennt als höchstes Gut des Kyūdō folgende Werte:

  • ShinWahrheit: Es ist ein technisch korrektes, mit der richtigen Gesinnung erfülltes Schießen.
  • ZenGüte: Dieser Wert schließt positive Eigenschaften wie Höflichkeit, Mitgefühl, Sittlichkeit und Friedfertigkeit ein. Er könnte mit sozialer und moralischer Kompetenz gleichgesetzt werden. Zen äußert sich in angemessener Haltung und angemessenem Verhalten in allen Lebenslagen, auch bei großem Stress oder in einem Konflikt.
  • BiSchönheit: Sie ist in der besonderen Erscheinungsform und der künstlerischen Gestaltung des japanischen Bogens sowie der traditionellen Bekleidung des Schützen zu finden. Bi ist erkennbar in der veredelten Etikette, von der die Kyūdō-Zeremonie umgeben ist.

 

Quelle: de.wikipedia.org